Kategorie: Risikomanagement

5. Ich habe da was für Sie…

Eule 2

Risikomanagement – Teil 5

Die Praxisfinanzierung umfasst viele Bereiche: Abschlußkosten, Ausgabenaufschläge, Verwaltungsvergütung, vereinnahmte Provisionen, Provisionsflüsse, Vermittlungsprovisionen, sogenannte Vertriebsfolgeprovisionen, als Verwaltungsgebühr getarnte Kickbacks, Rückvergütung, Referenzzinsen, Zinsanpassungs-Instrumente, Wertstellungen usw.

Was sagt Holger Neubert, Mitarbeiter der Kanzlei Krug, u.a. auch Honorarberater der Verbraucherzentrale NRW für Versicherungen, dazu:

„Bei einer Praxisfinanzierung habe ich grundsätzlich mehrere Möglichkeiten, den Finanzierugsablauf und die Liquidität zu gestalten:

  • Bei einem Tilgungsdarlehen wird eine feste Tilgungsrate über die gesamte Dauer der Rückzahlung vereinbart. Hinzu kommen die Zinszahlungen, die aber mit der Zeit immer kleiner werden, weil das Kreditvolumen gleichzeitig getilgt wird. Die monatliche Belastung nimmt also mit der Laufzeit ab.
  • Bei einem Annuitätendarlehen bleibt die finanzielle Belastung während der gesamten Laufzeit gleich, es wird eine feste monatliche Rate auf Zins und Tilgung festgelegt, sodass zu Beginn der Zinsanteil überwiegt und gegen Ende die Tilgung dominiert.
  • Schließlich gibt es noch das sogenannte Zinszahlungsdarlehen: Hier wird zunächst angespart, beispielsweise in Form von Kapitallebensversicherung oder privater Rentenversicherung, als Bausparvertrag oder Investmentfonds, und die gesamte Darlehenssumme wird erst zum Ende der Darlehenslaufzeit getilgt. Diese Lösung hat gegebenenfalls hohe steuerliche Vorteile.

Die von Vermittlern und Beratern präferierte Finanzierungsform ist die 3. Variante. Hier kann man nach belieben mit fondsgebundenen oder klassischen  Versicherungen dem Kunden ein Märchen von Rendite und Sicherheit erzählen. Der wesentliche Sachhintergrund sind die absurden Provisionen in diesen Policen. Gute Vermittler kommen nach Ende der jeweiligen Zinsbindfrist und überraschen mit „völlig neuen und besseren Tilgungspolicen“ . Man bedenke: Beitrag X Laufzeit X 4-5% und noch 1 % von der Bank für die Finanzierungssumme und noch bei Bedarf die Risikolenbensversicherung. Bei diesen Kosten , die über den Policenbeitrag in den ersten 5-10 Jahren generiert werden, lohnt sich keine steuerliche Betrachtungsweise gleichbleibender Zinsbelastung. Je nach Konstruktion der versicherungsgebundenen Tilgungsmodelle kommen da 3-6 % der Finanzierungssumme an Provisionen zusammen.

Die meisten Tilgungspolicen erreichen daher nach Ende einer  Zinsbindungsfrist von meist 10 Jahren nicht die angedachte Tilgungshöhe. Ein neuer noch größerer Vertrag muss dann herhalten mit entsprechend erneuten Kosten und Provisionen.“ Sehr gerne greift man dann auch wegen der „Unterdeckung“ auf das Privatvermögen zu und übernimmt auch noch die Finanzierung der privaten Immobilie nebst vollständiger Abtretung derselben.  Eine Vermischung/Gegendeckung von privaten und geschäftlichen Sicherheiten ist bedenklich und zieht Ihre Unternehmerhaftung bis in den Privatbereich.“

Lesen Sie zu diesem Thema auch die Kolumne von Volker Looman auf zm-online.de:
http://www.zm-online.de/hefte/Annuitaetendarlehen-versus-Fonds-Haifischbecken_407554.html
(Quelle: zm 13/2017, S. 80)

Einen Kommentar zum Thema zeitgemäße Finanzierungsmodelle hat das Deutsche Ärtzteblatt veröffentlicht. Ich habe es als PDF zum Herunterladen, Archivieren und Benutzen beigefügt:

PDF Download Deutsches Ärzteblatt – Praxisfinanzierung – teure Versprechungen (PDF-Download)

Darum geht es in diesem Beitrag: Praxisfinanzierung, Finanzierungskosten, Tilgungsmodelle, Bedürfnisse der Heilberufler, Beraterkompetenz, Expertenwissen


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