Kategorie: Praxisgründung

10. Bürokratische Hindernisse für junge Zahnärzte

Tool-Boks

In diesem Beitrag geht es um bürokratischen Ballast im Praxisalltag, um Arbeitsüberlastung, Kompliziertheit, Sorgen, Verdrängung, Ohnmacht, Stressoren und Frustrationen und um die Vorankündigung einer Innovation für mehr Entlastung, Klarheit, Systematik, Einfachheit, Sorglosigkeit, Rechtssicherheit, Konfliktprophylaxe und vieles mehr.

Ist Bürokratie für junge Zahnärzte ein Argument gegen eine Niederlassung?

Das neue Jahr hat begonnen, die Arbeit macht unendliche Freude, wenn da nicht immer wieder der Papierkram wäre.

Laut Statistischem Jahrbuch der Bundes-KZV kostet die Verwaltungsarbeit jeden Praxisinhaber mindestens acht Stunden Lebenszeit pro Woche. Neben den durchschnittlich 34.4 Stunden reine Behandlungszeit muss nahezu ein regulärer Arbeitstag pro Woche für diese Tätigkeit investiert werden.

Hinzu kommen für alle tätigen Zahnärzte die Pflichtfortbildungen gem. § 95 d Abs. 6 Satz 1 SGB V, deren inhaltliche Umsetzung im Praxisalltag viel Zeit in Anspruch nimmt. Viele junge Zahnärzte streben nach Spezialisierung und Erlangung eines Tätigkeitsschwerpunktes. In der Regel sind diese Kurse/Curricula mit Anreise, Übernachtungen, Behandlungsausfall, Familienorganisation verbunden, plus zusätzlicher Zeit für die Nachbereitung und Implementierung im Praxisalltag. Hier entsteht schnell ein Gefühl der Frustration und Überforderung.

Lesen Sie hierzu weiterführend auch den Artikel „Burnout bei Zahnärzten„.

Mindestens Dreiviertel der Zahnärzte empfinden die Verwaltungsarbeit als eine starke Belastung. Verwaltungsarbeit bedeutet ja auch, sich in der sogenannten freien (Familien-) Zeit in den Abendstunden, am Wochenende damit beschäftigen zu müssen. Es erstaunt daher nicht, dass 75% der jungen Zahnärzte Bürokratie als Argument gegen eine Niederlassung sehen. (Zukunftskongress der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe im Dezember 2017)

Welcher Zahnarzt blickt da schon durch?

Kein Zahnarzt kann die Hunderte von Vorgaben wirklich überblicken. Und je größer der (Akten-)Berg desto größer die Hürde, ihn zu bewältigen. Nicht jede Tätigkeit kann delegiert werden.

Unternehmensführung – strategisches Qualitätsmanagement – Planung komplexer Behandlungsfälle – Erstellung der Heil- und Kostenpläne – Beratungs- und Aufklärungsdokumentation – Stellungnahmen für Kostenträger, Versicherungen, KZV, unter Umständen für Rechtsanwälte, Patientenbeschwerdestellen – Rechnungswesen – Mahnwesen – Quartals- und sonstige Abrechnungen – ZIS – Wirtschaftlichkeitsprüfung –Betriebsprüfung – Vorsorge für den jederzeit eintretbaren unternehmerischen Notfall – Risikomanagement

Dann noch der Überblick über: Verträge, Kündigungsfristen, Finanzierungen, Versicherungen, Vollmachten, Passwörter, Codes, Kennzahlen, Kosten, Garantien, gesetzlich vorgeschriebene Abnahmen und Prüfungen, Prüfnachweise, Wartungen, Unterweisungen, Fortbildungsnachweise, Notdienste, Mitgliedschaften, regelmäßig zu aktualisierende Kerninformationen… Die Auflistung ließe sich unendlich fortsetzen.

Lesen Sie weiterführend meine Artikel zum Thema „Risikomanagement“.

Willkommen im Bürokratiedschungel

Ein konkretes Beispiel aus diesem Dschungel sind die Kündigungsfristen. Wissen Sie, wie viele Verträge Sie abgeschlossen haben, haben Sie den Gesamtüberblick und alle Kündigungsfristen sicher im Griff? Diese Kündigungsklauseln habe ich im Kleingedruckten entdeckt:

„Das Abo ist mit einer Frist von drei Monaten zum 31.12. eines jeden Jahres kündbar“… „Kündigungsfrist 3 Monate zum Quartalsende“… „Die Leasinglaufzeit verlängert sich um jeweils 12 Monate, wenn der Leasingvertrag nicht spätestens 6 Monate vor Ablauf schriftlich gekündigt wird“… „Die Dauer verlängert sich jeweils um 12 Monate, wenn nicht spätestens 6 Monate vor Ablauf schriftlich gekündigt wird“… „Ohne fristgerechte Kündigung mit einer Frist von 3 Monaten zum Ende des Monats der Vertragslaufzeit verlängert sich dieser Vertrag automatisch um 1 Jahr“ … „Die Mindestlaufzeit des Softwarepflege- und Nutzungsvertrages beträgt 12 Monate. Nach Ablauf von 12 Monaten kann der Vertrag mit einer Frist von 3 Monaten zum Kalenderjahresende gekündigt werden“…  „Erhöht sich der Beitrag aufgrund der Beitragsangleichung gemäß Ziffer 15.3, ohne dass sich der Umfang des Versicherungsschutzes ändert, kann der Versicherungsnehmer den Versicherungsvertrag innerhalb eines Monats nach Zugang der Mitteilung des Versicherers mit sofortiger Wirkung, frühestens zu dem Zeitpunkt kündigen, in dem die Beitragserhöhung wirksam werden sollte“

Es verwundert tatsächlich nicht, dass 75% der jungen Zahnärzte Bürokratie als größtes Hindernis für eine Niederlassung ansehen, insbesondere wenn man bedenkt, dass das Finanzierungsvolumen für eine Praxisneugründung mittlerweile bei über einer halben Millionen Euro liegt.

Was wünschen sich die Heilberufler?

65% der Heilberufler sehen den größten Handlungsbedarf in der Reduzierung des bürokratischen Aufwands im Berufsalltag (Studie der apoBank 2017). Wahrscheinlich liegt der Prozentsatz noch viel höher, insbesondere viele junge Zahnärzte stöhnen über die ungewohnte Papierflut nach den ersten Monaten im Beruf. Ich kenne Kollegen, die sitzen abends bis 22.00 Uhr und länger in der Praxis, quälen sich durch Papierberge und schaffen es trotzdem nicht, grundlegende Ordnung in das System zu bringen und den Gesamtüberblick zu haben

Achung: Unkenntnis über die Grundregeln der Unternehmensführung schützt nicht vor Schaden

Jede Frist die versäumt wird, jeder Vorgang der nicht geführt und ordentlich dokumentiert wird, kann zu unangenehmen Konsequenzen führen. Mein persönlicher“ Lieblingssatz“ in diesem Zusammenhang: „Das hätten Sie doch wissen müssen“

Was junge Zahnärzte wollen?

Ausgehend von meinen eigenen langjährigen Erfahrungen als niedergelassene Zahnärztin, den vielen Gesprächen, die ich mit Kollegen, zahnärztlichen Mitarbeiterinnen geführt habe, finde ich, es ist allerhöchste Zeit eine professionelle Lösung zu entwickeln, um die Belastungen durch Verwaltungsarbeit deutlich zu reduzieren. Eine Innovation, in die die Erfahrungen der Praktiker einfließt, aus dem Praxisalltag für den Praxisalltag entwickelt, von und mit Kollegen für Kollegen und hier besonders für die jungen Zahnärzte, um ihnen Mut zu machen, sich in eigener Praxis niederzulassen.

Was hätte ich mir von Beginn meiner Existenzgründung an gewünscht, was hätte mir persönlich, meinem Team und meiner Familie das Leben leichter gemacht und viele schlaflose Nächte, Sorgen und Ängste erspart? Ich habe lange darüber nachgedacht und anschließend in engem Austausch mit der Zielgruppe an einer Problemlösung gearbeitet, zunächst für meine Praxis und dann ab Sommer 2017 im EZW Entrepreneurship Zentrum Witten gemeinsam mit einem kleinen innovativen Team. Um die Idee in die Realität zu bringen, haben wir einen Prototyp entwickelt, um immer wieder zu testen, Funktionen zu ergänzen oder zu verändern, mittlerweile analog und digital.

Alles in Ordnung

Bei diesem Prototyp geht es um eine einzigartige Mischung von Werkzeugen und Interventionen – eine Wissenskartei – die es ermöglicht, autonom das unternehmerische Wissen zu vernetzen und erfolgreich zu steuern.

Meine Erfahrung: es ist ein gutes Gefühl, die Kontrolle zu haben und alles „in Ordnung“ zu wissen.

Den höchsten Stellenwert für Heilberufler haben laut einer Umfrage der apoBank Familie und Partnerschaft (91%), finanzielle Sicherheit und Altersvorsorge (85%). Das konstante Grundbedürfnis für uns alle, für jeden niedergelassenen Zahnarzt ist Sicherheit ohne Einschränkungen, Vorsorge und Risikomanagement für Praxis und Familie. Unsere Lösung bringt Beruf und Familie in die richtige Balance, einfach, übersichtlich praxisorientiert.

In dieser Testphase freuen wir uns über jeden Input.

Lesen Sie demnächst: Alles in der BOKS


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