Zahnarzt Bochum Wartezimmer Sessel

In diesem Beitrag geht es um zahnärztliche Niederlassung, Existenzgründung Zahnarztpraxis, Praxisübernahme, Praxisgründung, Freiberufler, Praxismanagement.

Ich lese den Artikel und kann es einfach nicht verstehen. Es geht um Existenzgründung und um Gründungsberatung für Zahnärzte. Da fallen Begriffe wie Berufsrecht, Standesrecht, Standortgutachten, Praxiswertgutachten, Niederlassungsberater, operatives Management, Finanzplan, Investitionskalkulationen, Versicherungen, Praxisorganisation, Personalmanagement, Wareneinkauf, Büroausstattung, EDV, eine beeindruckende Aufzählung, nicht zu vergessen, der Businessplan.

Aber alles kein Problem, sogenannte Gründungsexperten werden es schon richten, das gehört zu ihren Pflichten. Mit ihrer Expertise, Erfahrung, strukturierten Zeit- und Projektplänen führen sie den niederlassungswilligen Zahnarzt durch den komplexen Gründungsprozess.

Als junge Zahnärztin hätte ich nach dem Lesen dieses Artikels zu allem Lust gehabt, nur nicht zur Niederlassung. Mein Eindruck, Sachverhalte werden verkompliziert, damit der/die Niederlassungswillige verunsichert wird, den Mut verliert und sich nicht traut, den Schritt in die Selbstständigkeit alleine zu organisieren und zu gestalten.

Niederlassung ist eine Entscheidung

Die erste Frage, die Sie sich beantworten sollten, will ich mich wirklich in einer eigenen Praxis niederlassen, will ich das wirklich, wirklich, wirklich? Glückwunsch, wenn Sie diese Frage eindeutig mit „JA“ beantworten. Die Übernahme oder Gründung einer Zahnarztpraxis ist – aus meiner Sicht – auch heute noch absolut sinnvoll und erstrebenswert.

Das grundsätzliche Problem ist doch ein ganz anderes.

Aus vielen Gesprächen mit Kollegen/innen höre ich immer wieder die große Sorge, wem kann ich in dieser Existenzgründungsphase vertrauen? Die Versprechungen von heute sind keine Garantie für die Erfüllung in ferner Zukunft. Was wird nicht nur mündlich versprochen, sondern was ist vertraglich schriftlich zugesichert?

Verwertbares Potenzial

Ich liebe Überraschungen, aber nicht wenn es um Honorarabrechnungen geht. Gerade wenn Sie mit der Existenzgründung beginnen, vereinbaren Sie mit externen Beratern –wann immer möglich – ein Festhonorar. Ein fixierter Wert (Festhonorar) ist zwar immer höher wie ein variabler (Stundensatz). Achtung, variabel ist nicht konkret und nicht fixiert, d.h. Sie wissen nie genau, wie hoch am Ende das Beraterhonorar sein wird. Dies spricht eindeutig gegen variable Stundensätze!

Freiberufler sind eine der beliebtesten Zielgruppen für Finanzdienstleister, Versicherungsmakler, Unternehmensberater, Marketingexperten etc. Die Bonität und Liquidität der Freiberufler ergibt einen attraktiven Verwertungswert, ein interessantes verwertbares Potenzial.

Bei Zahnis darf es dann gerne ein bisschen mehr sein.

In Modellrechnungen und Prognosen wird immer ein „erwarteter Verlauf“ angegeben, da ist selten von negativen Entwicklungen die Rede und natürlich gibt es keine vertraglich gesicherte Gewährleistung oder Garantien. Es sind Berechnungen, deren Komplexität schwer zu durchschauen ist und deren Ergebnis sich leider oft erst viele Jahre später zeigt. Es werden Ihnen Entscheidungen abverlangt, deren Konsequenzen Sie später alleine tragen müssen.

Die Grundkenntnisse eines Akademikers

Wenn es dann im Verlauf Komplikationen gibt und/oder die Vorhersagen nicht eintreffen, kommen die Ausreden und Schuldzuweisungen. „Das habe ich ihnen doch gesagt“, „haben sie das nicht gelesen“, „das wissen sie doch“. Die gemeine Konjunkturlage kann sich ändern, da sitzt man nicht drin, am Markt bleibt nicht alles so, wie es einmal war oder ist. „Eine Verschlechterung der Kapitalmärkte führt automatisch zu einer möglichen Unterdeckung bei Darlehensfälligkeit. Allerdings sollte dieses Wissen ohnehin zu allgemeinen Grundkenntnissen, zumindest eines Akademikers gehören“ Zu diesen Grundkenntnissen gehört übrigens auch, dass Sie die Zinsabrechnungen Ihrer Hausbank überprüfen und nachrechnen können.
Lesen Sie ergänzend hierzu auch die weiteren Beiträge zum Thema Risikomanagement.

Tipp: Lassen Sie jeden Vertrag, den Sie unterschreiben, vorab von einem unabhängigen Sachverständigen prüfen.

Lassen Sie sich nicht täuschen!

Egal ob mit oder ohne Berater. Kochen Sie sich Ihre Suppe von Anfang an selbst, Sie müssen sie sowieso auslöffeln. Klar werden Sie Fehler machen und ihr Lehrgeld bezahlen. Das ist aber noch lange nicht so schlimm, wie blind den sogenannten Experten zu vertrauen. Wenn ihnen das nächstemal so ein unheimlich netter, rhetorisch glänzend geschulter Gutmensch über den Weg läuft, Ihnen vertrauensvoll seine Hand auf den Arm legt, dann fragen sie sich doch einfach, was will der Kerl/die Frau mir eigentlich verkaufen?

Resümee: Wer das Zahnmedizinstudium bewältigt hat, hat als Akademiker doch kein Problem damit, ein kleines mittelständiges Unternehmen wie eine Zahnarztpraxis aufzubauen und zu führen. Das, was vielen Gründern vielleicht in der Anfangsphase fehlt, ist MUT, Nerven und Gelassenheit.

Am Anfang steht die Zahnärztekammer

Erste Anlaufstelle zur Information und Beratung über die Niederlassung sind immer noch die Zahnärztekammern mit ihren Servicestellen für junge Zahnärzte. Dort gibt es hervorragendes Infomaterial und Ansprechpartner, die Ihnen kollegial zur Seite stehen.
Auf der Seite „Junge Mitglieder“ der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe können Sie sich einige Informationsbroschüren (PDF) herunterladen, hierbei empfehle ich insbesondere die folgenden PDFs:

  • Wunschzettel
  • Formen zahnärztlicher Berufsausübung
  • Praxisgründung – der Weg in die Freiberuflichkeit

https://www.zahnaerzte-wl.de/zakwl/junge-mitglieder.html

Ein Mentor

Zweitens, suchen Sie sich erfahrene Kollegen/innen als Mentoren und greifen Sie auf diesen Erfahrungsschatz zurück. Meinem Mentor, der mich in der Anfangsphase meiner Niederlassung begleitet hat, bin ich bis heute unendlich dankbar für seine kollegiale Unterstützung und wertvollen Tipps.

Übrigens: eine kostenlose Anleitung für einen Businessplan gibt es beim Bundesministerium für Wirtschaft unter www.existenzgruender.de

Managementwissen

Drittens, suchen Sie sich keinen Berater, sondern eignen Sie sich das notwendige Managementwissen zur Führung Ihrer Praxis so schnell wie möglich an. Damit können Sie 1 ½ Jahre vor der Existenzgründung beginnen, oder besser, sofort. Wenn Sie Interesse am langfristigen Erfolg Ihres Unternehmens Zahnarztpraxis haben, kommen Sie um Managementwissen nicht herum. Führung können Sie nicht delegieren, Sie sind der Chef/in und sagen, wo es langgeht. Managementwissen eignet man sich in vielen kleinen Schritten an und entwickelt es ein Leben lang weiter. Dazu in meinem nächsten Beitrag mehr.

Zum Schluss noch ein Wort zum Standort

Experten sind keine Hellseher und kein Berater, den ich jemals gesprochen habe, hat die wichtigsten Entwicklungen vorhergesehen. Der sogenannte Topstandort von heute kann die Bronx von morgen sein. Das geht ganz schnell, manchmal dauert es. Es kann auch umgekehrt laufen, von der Bronx zum Topstandort. Kein seriöser Mensch kann da was versprechen –sprechen Sie mit der Stadt/dem Landkreis, der Wirtschaftsförderung, fragen Sie nach Zukunftsprojekten, Statistischen Jahrbüchern, sprechen Sie rechtzeitig mit dem Bezirksvorsitzenden, seien Sie wachsam und bleiben Sie flexibel. Wir leben in Zeiten des Wandels und nicht der Stagnation.

Strukturierter Zeit- und Projektplan

Einen strukturierten Zeit- und Projektplan führen wir bei allen kleinen und großen Vorhaben durch.

PROJEKTPLAN

A. Was will ich planen?
Beschreibung, Start- und Enddatum definieren

B. Istzustand: Ich beschreibe die Situation wie sie sich gegenwärtig darstellt

C. Zielzustand: Wie stelle ich mir die ideale Lösung vor?

D. Beschreibung der Mittel: Welche Mittel benötige ich, um mein Ziel zu erreichen?

E. Beschreibung der Maßnahmen: Welche Maßnahmen muss ich einleiten bzw. durchführen, um mein Vorhaben zu realisieren und mein Ziel zu erreichen?

(Verantwortlich – Mittel – Realisierung am – erledigt)

Diesen Projektplan schreiben Sie auf ein großes Blatt Papier, kleben zur Motivation ein Zielfoto ein, hängen den Plan für jeden sichtbar auf und beginnen mit der Umsetzung. Selbst unseren letzten Umzug haben wir nach diesem Schema strukturiert und reibungslos bewältigt.

Planung und Umsetzung macht Spaß, glauben Sie mir! Die Erfahrungen, die sie dabei sammeln, sind von unschätzbarem Wert.

Ein Kommentar

  1. sehr gut geschriebener und interessanter Artikel. Eine sehr gute Aufstellung. Da kann sicherlich der ein oder andere was mit anfangen. Ich finde es wichtig, sich immer mit den unterschiedlichsten Möglichkeiten auseinander zu setzen. So findet jeder etwas passendes. :-)

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