Steg am SeePaniken, Phobien und Posttraumata

Neben der allgemeinen Angst vor der Zahnbehandlung gibt es weitere Störungen, die den Patienten von einer Behandlung abhalten können, wie z.B. Panikstörung, Agoraphobie, Generalisierte Angststörung, Soziale Phobie und weitere.

Panikstörung: Wie aus heiterem Himmel…

Bei manchen Menschen kommt es ganz plötzlich, wie aus heiterem Himmel zu starken Angstgefühlen, bis hin zur Todesangst. Dabei treten vielfältige körperliche Begleiterscheinungen auf, z.B. Herzklopfen, Brustschmerz, Ersticken und Schwindel. Oft hat die Person Angst zu sterben, die Kontrolle zu verlieren oder einen Herzanfall zu erleiden. Obwohl diese so genannten Panikanfälle oft nur Minuten andauern, gehören sie zu den Störungen, die das Leben besonders stark beeinträchtigen können. Panikanfälle sind im Grunde mit einer sehr intensiven Schreck-Angst-Situation vergleichbar, wobei das Auftreten der Episoden nicht vorhersehbar ist. Viele Menschen werden von Panikattacken sogar im Schlaf überrascht. Treten diese Panikattacken wiederholt auf, spricht man von einer Panikstörung.

Agoraphobie: Eine Panik kommt selten allein…

Ungefähr die Hälfte der Menschen, die an einer Panikstörung leiden, haben ein damit zusammenhängendes Problem: Agoraphobie. Der Begriff Agoraphobie schließt das ein, was man früher als „Platzangst“ bezeichnet hat, also als Angst vor Situationen, in denen eine Flucht nur schwer möglich oder aber keine Hilfe verfügbar wäre. Die Betroffenen leiden unter der Angst, in dieser für sie ausweglosen Situation eine Panikattacke zu bekommen, sich erbrechen zu müssen oder Durchfall zu bekommen, z.B. beim „Schlangestehen“ in einem Geschäft, auf offenen Plätzen, in Menschenmengen, im Kino oder Supermarkt oder in öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus oder U-Bahn. Eine Agoraphobie kann mit nur einer Angst anfangen, z.B. sich in einer Menschenmenge aufzuhalten. In den meisten Fällen wächst die Anzahl der gefürchteten Situationen bis zu dem Punkt, an dem Betroffene Angst haben, das Haus zu verlassen.

Generalisierte Angststörung: Es könnte was passieren…

Eine zweite, häufigere Angststörung ist die generalisierte Angststörung (GAS).Sie beginnt im Gegensatz zur Panikstörung meist langsam und ist durch übertriebene, eigentlich unrealistische, andauernde Besorgnisse, Ängste und Befürchtungen über das Leben charakterisiert. Deshalb nennen wir sie auch generalisiert. Menschen, die von der generalisierten Angststörung betroffen sind, haben den ganzen Tag über Angst – es könnte was passieren – und machen sich Sorgen über Dinge, ob möglicherweise dem Partner auf dem Weg zur Arbeit, den Kindern in der Schule oder Verwandten etwas zugestoßen sein könnte, obwohl eigentlich kein Anlass dazu besteht. Im Zusammenhang mit diesem Grübeln treten viele seelische und körperliche Probleme auf, die die Lebensfreude reduzieren.

Soziale Phobie: Im Schneckenhaus…

Die Sozialphobie ist die häufigste aller Angsterkrankungen und beginnt meist vor dem 16. Lebensjahr. Die Betroffenen sind geplagt von der Vorstellung, abgelehnt oder sogar verspottet zu werden, weil sie zu dumm, hässlich, ungeschickt oder sogar verspottet zu werden, weil sie zu dumm, hässlich, ungeschickt oder langweilig sind. Darunter fällt aber nicht das Lampenfieber vor einer Rede oder die Nervosität während einer Prüfung, diese hat letztlich wohl jeden von uns schon mal ergriffen. Bei der sozialen Phobie geht es vielmehr um die überwältigende, auf Schritt und Tritt lähmende Angst vor dem zwischenmenschlichen Kontakt, vor dem Gefühl, plötzlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, insbesondere in Gegenwart anderer beim Reden, Essen und Trinken. Die Betroffenen vertrauen letztlich keinem Menschen mehr – sie ziehen sich immer weiter in ihr Schneckenhaus zurück. In ihrem Privat- und Berufsleben und in ihrem Wohlgefühl sind sie stark eingeschränkt, der Alltag wird zur Qual.

Posttraumatische Belastungsstörung – nach dem Trauma

Schon nach einem geringfügigen Trauma, einem erschütternden Erlebnis, kann sich eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Je nachdem, wie schwer das Trauma war und ob begünstigende Faktoren vorherrschen, können Symptome einer PTBS auftreten. Nach einer Vergewaltigung erleiden bis zu 50%, nach Naturkatastrophen 40%, nach Kriegshandlungen bis zu 20% und nach Unfällen ca. 10% der Betroffenen eine PTBS. Etwa 15% der Menschen, die ein ähnlich schweres Trauma erlitten haben, zeigen Symptome einer PTBS. Dabei erscheinen die Ängste bei den Betroffenen eher verdeckt. So z.B. in unklaren körperlichen Beschwerden oder dadurch, dass sie alles meiden, was an die traumatischen Erlebnis erinnern könnte.

Vielen Traumatisierten ist nicht bewusst, warum sie sich fürchten und zusätzlich noch Angst vor der Zahnbehandlung haben. Dies kann sich beispielsweise in dem Widerstand äußern, in eine horizontale Behandlungsposition gefahren zu werden, in der Angst, Objekte (Abdecktücher) auf das Gesicht gelegt zu bekommen, in plötzlichen Weinkrämpfen ohne besonderen Grund, in heftigem Würgereiz.

Emetophobie –Übelkeit und ihre Folgen

Emetophobie ist die Furcht vor dem Erbrechen bzw. Angst vor dem Auslösen des Würgereflexes, z.B. wenn etwas an den Gaumen kommt oder bei taktiler Stimulation der Zunge. Betroffene vermeiden eine Vielzahl sozialer und anderer Situationen und haben eine sehr reduzierte Nahrungsaufnahme aus Furcht vor Würgereiz.
Menschen mit einer Emetophobie zeigen eine starke Furcht bei Konfrontation bzw. direktem Kontakt mit Zahnbehandlungsutensilien im Mundbereich und haben furchtbare Angst, das ein Abdruck genommen werden muss.

Gut für Sie zu wissen:

Viele Menschen wissen nicht, dass es überhaupt Hilfe für ihr seelisches Problem gibt. Wegen ihrer vermeintlichen Krankheitssymptome suchen sie Hilfe in unterschiedlichsten medizinischen Fachrichtungen bei Allgemeinärzten, Internisten, Neurologen, Hals-Nasen-Ohren-Ärzten, Kardiologen – eine lange Liste (Ärztemarathon). Finden die Ärzte trotzt aufwendigster Diagnostik nichts, wandern Betroffene von einem Arzt oder Spezialisten zum Nächsten. Oft dauert es viel zu lange – in der Regel 7 Jahre -, bis die Angsterkrankung erkannt ist und eine geeignete Behandlungsmethode gefunden wird.
Experten sind sich darin einig, dass das beste Hilfsangebot von Psychiatern oder psychologischen Psychotherapeuten mit einer Ausbildung in Verhaltenstherapie kommt. Betroffene können sich auch an psychotherapeutische Ambulanzen wenden, die an psychologische Institute von Universitäten angeschlossen sind.

Darum geht es in diesem Beitrag: Angststörungen, Panikstörungen, Agoraphobie, generalisierte Angststörung, soziale Phobie, posttraumatische Belastungsstörung, Emetophobie


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