Kategorie: Praxisgründung

6. Allee 125-46-80

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Praxisgründung ist eine Abenteuerreise, kein gemütlicher Spaziergang oder Schlendern über die Blumenwiese. Wenn Sie es richtig machen wollen – und davon gehe ich aus –  ist es ein Marathon, der vor Ihnen  liegt.

Ein bisschen Niederlassung geht nicht, entweder ganz oder gar nicht. Egal ob Sie eine Praxis übernehmen oder gründen wollen, die wichtigste Lektion gleich zu Beginn. Planen Sie mindestens 20 Prozent Ihrer Zeit für das strategische Denken ein und 80 Prozent für Ihre Arbeit im Unternehmen.

Wenn Sie nicht innehalten und sich Zeit zum Denken nehmen, werden Sie sich verzetteln und Energie verschwenden. Denken heißt für mich, dass ich mich mit wichtigen, nicht dringenden Dingen beschäftige.

Alles, worauf es ankommt…

Fragt man Menschen warum sie Angst vor der Zahnbehandlung haben (Angst vor dem Arztbesuch, dem Krankenhaus), wird neben der Behandlung immer wieder das gesamte Umfeld angesprochen, in dem die Behandlung stattfindet: der typische Praxisgeruch, lange Wartezeiten in kleinen, dunklen vollen Wartezimmern, klinisch sterile Atmosphäre im Behandlungszimmer.

Räume, Praxisräume wirken auf jeden. Niemand kann sich der Wirkung von Farben und Formen entziehen, sie wirken auf unser Verhalten, unsere Wahrnehmungen, unsere Gefühle. Wir können Räume nur mögen, wenn sich unser Körper darin wohlfühlt. Und genau um diese Räume zum Wohlfühlen ging es, als ich mich 2003 entschlossen habe, meine kleinen 80qm großen Praxisräume in der Allee125 zu verlassen, um in neuen, größeren Räumen das Konzept einer angstfreien Zahnarztpraxis , das ich mir in den vielen Jahren meiner zahnärztlichen Tätigkeit erarbeitet hatte, zu realisieren.

Ausgangspunkt der Praxisplanung waren die Wünsche, Probleme und Bedürfnisse unserer Zielgruppe, Menschen mit Zahnbehandlungsangst.

PDF Download Zielgruppe  (PDF-Download)

Das brennenste Problem dieser Zielgruppe ist die A-N-G-S-T vor der Zahnbehandlung und die Angst vor Schmerzen. Diese Ängste sind bei 70% der Betroffenen (90% der Phobiker) durch frühere traumatische Erfahrungen während der Zahnbehandlung entstanden.

Von Projektbeginn an war es die wichtigste Überlegung unsere Patienten aktiv in die Planung einzubeziehen und die Bedürfnisse – und vor allem Ängste – in den Mittelpunkt der Gestaltung zu stellen. Wir führten kleine Gesprächskreise mit Patienten durch und stellten immer wieder dieselbe Frage:

Farben der Gesundheit

„Was können Sie sich vorstellen, um Ihre Angst zu verlieren?“

Im Gestaltungsbereich wünschten sich unsere Patienten Helligkeit, Offenheit und Transparenz. Um die Schwellenangst zu reduzieren, sollte der Praxiseingang verglast und der Empfang sofort sichtbar sein. Der Wartebereich sollte verschiedene Möglichkeiten der Entspannung bieten, wichtigster Wunsch war die klare räumliche und gestalterische Trennung der Behandlungszimmer vom Prophylaxebereich.

Auf der Suche nach einem innovativen Farbkonzept für die neuen Räume entdeckte ich damals einen hochinteressanten Artikel: „Farben zum Wohlfühlen: gibt es den Farbidealzustand für Praxisräume?“ Autor Prof. Axel Venn

Das wahrnehmungspsychologische Gestaltungskonzept für die neuen Räume wurde als Pilotprojekt Thema der Diplomarbeit von Ilka Brüderle. Projektleiter war der Farb-, Trend-Ästhetikberater Prof. Axel Venn von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim.

Der wichtigste Aspekt in der Planung und Farbgestaltung war es, den Menschen non-verbal zu vermitteln, dass diese Praxis anders gestaltet ist. Sowohl die Räume als auch die gesamte Atmosphäre sollten möglichst wenig an die früheren (traumatischen) Erfahrungen erinnern. Die richtige Umgebung soll den Zahnarztbesuch zu einem emotional positiven Geschehen werden lassen.

„Das wirkungsvollste Mittel zur Gestaltung einer multi-sensitiven Raumatmosphäre ist zweifelsohne die Farbgestaltung (Prof. Axel Venn).“ Farbe ist emotionale Information. Wir sprechen die Gefühlsebene an. Unser „Herzlich willkommen“ signalisiert:

Angst… ist einfach nur menschlich.“

Was in 2004 als Modell-Konzept einer angst- und stressfreien Praxis begann, wurde durch unseren Umzug in 2016 verfeinert und an die veränderten Bedürfnissen und Wünsche aller Beteiligten angepasst.

Nach einer ersten Grobplanung des Dentaldepots habe ich gemeinsam mit meinem Team in akribischer Detailarbeit den Grundriss verfeinert (Fotos) die Laufwege der Patienten und unsere Laufwege analysiert, die Arbeitsabläufe optimiert und beides (Lauf- und Arbeitswege) miteinander verknüpft. Wir haben den Grundriss, die Möblierung ausgelegt und Praxis „gespielt“. In diese Rollenspiele flossen verschiedene Faktoren wie Funktionalität, Gestaltung, Beleuchtung, Akustik und Klimatisierung ein. Aus all diesen Informationen wurde letztendlich „unsere“ Praxis kreiert und das Projekt anschließend mit allen beteiligten Gewerken innerhalb kürzester Zeit realisiert.

Es war eine große Anerkennung, dass sich Prof. Venn bei seinem Besuch in Bochum erneut unserem Projekt annahm und es in zeitgemäßer Art und Weise neu interpretierte. Mit seinem Planungshandbuch „Farben der Gesundheit“, das auf einer analytisch wissenschaftlichen Arbeit basiert und dem Farbfächer des Herstellers RAL – dem Weltmarktführer für Farbsysteme – stehen heute jedem Interessierten exzellente Hilfsmittel zur Farbgestaltung zur Verfügung.

Mensch und Farbe 1

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Mensch und Farbe 2

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Darum geht es in diesem Beitrag: Praxisgründung, Praxisplanung, Praxisgestaltung, Zielgruppen, Farbkonzept, Farben der Gesundheit


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