9. Juni 2017 Praxisgründung

Praxisgründung – was junge Zahnärzte wirklich nicht brauchen

Praxisgründung - Steine im WegPraxisgründung – was junge Zahnärzte wirklich nicht brauchen…

… sind Berater, die sich darauf spezialisiert haben, den jungen Heilberuflern überflüssige Kombiverträge, Versicherungen, Sparverträge zu verkaufen und dies schon während der Studienzeit. Risikomanagement beginnt vor der Niederlassung. Wenn Sie an die falschen Berater geraten, wird Sie dies später teuer zu stehen kommen

Was sagt der freiberufliche Finanzanalytiker Volker Looman dazu?

„Hände weg von Erwerbsunfähigkeits-, Hausrat-, Lebens-, Rechtsschutz-, und Unfallversicherungen.
Genauso fragwürdig sind Gedanken über die Altersversorgung. Folglich will ich die „Giftliste“ um folgende Verträge erweitern. Hände weg von Kapitalversicherungen, Rentenpolicen und Riesterverträgen. Kurzum lassen Sie sich auf keine „Diskussionen“ mit Verkäufern und Vertretern ein, machen Sie einen Bogen um die Verkaufstruppen, die sich darauf spezialisiert haben, junge Zahnärzte mit Versicherungen und Sparverträgen abzufüllen. Das kostet Sie – mit Verlaub gesagt – ein Schweinegeld, und nach meinem Empfinden sind Sie einfach noch nicht reich genug, um sich solche Ausgaben leisten zu können.“
Volker Looman in der zm 107, Nr.4, 16.2.2017 (372)

Eine junge Zahnärztin bittet mich um Rat. Die Assistenzzeit ist beendet, die große Frage steht im Raum: weiter als Angestellte Zahnärztin arbeiten oder eine Niederlassung in eigener Praxis wagen?
Nach vielen Besichtigungen ist das Objekt der Begierde gefunden, eine Alterspraxis in passender Lage, der Kollege geht mit 67 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand.

Die Rahmenbedingungen hören sich gut an, es ist eine kollegiale Praxisübergabe von Kollege an Kollegin geplant.

Vertrauen ist der Anfang von allem

Die junge Zahnärztin ist sich sicher, dass sie die Praxis übernehmen will. Es gibt da nur ein Problem, das sie zögern lässt. Wem kann Sie vertrauen, wer steht Ihr bei der Praxisübernahme mit Rat und Tat zur Seite?

Sie erzählt mir von einem netten Berater aus der Uni, der sich am Anfang der Erstsemester und regelmäßig kurz vor dem Staatsexamen den Studenten vorgestellt hat. „Während des Studiums war er einfach nur zu sprechen und jederzeit präsent, um weitere organisatorische Abläufe zu erfragen (KZV Angelegenheiten, Altersvorsorge, Berufshaftpflicht etc…).“
Während der Assistenzzeit hat er ihr eine Berufshaftpflicht besorgt und für die Altersvorsorge etwas rausgesucht, ein „Paket“, was sie denkt, das zu der Zeit erschwinglich und sinnvoll war und heute noch ist.
Je nach Berufsstatus wird die Versicherung geändert, angepasst.

„Während der Existenzgründung begleitet er mich immer, zu den Gesprächen ist er immer dabei, die Bankvorgespräche haben wir auch gemeinsam geführt.“ Und obwohl sie schon einen Vertrag über betriebswirtschaftliche Beratung im Rahmen der geplanten Niederlassung als Zahnärztin unterschrieben hat, kommen plötzlich erste Zweifel auf.
Irgendetwas stört sie an dieser Selbstlosigkeit, sie weiß nur nicht was?

Wer ist der Berater?

Auf meine Nachfrage, warum sie während des Studiums betreut werden musste, wofür sie während der Studienzeit einen Berater benötigt hat, welchen Beruf dieser Mensch hat, in welchem Auftrag er tätig ist, womit er sein Einkommen verdient, kann sie mir keine Antwort geben. Nur soviel, dass viele Kommilitonen Versicherungen abgeschlossen haben.

Die Recherche ergibt, dass Herr Gutmensch – dem die junge Zahnärztin sehr vertraut – ein freier Handelsvertreter ist, der für ein Tochterunternehmen eines Finanzdienstleisters arbeitet, also überwiegend auf Provisionsbasis arbeitet.

Durch den erfolgsunabhängigen Beratervertrag schöpft er ein erhebliches, vertraglich zugesichertes Honorar, zuzüglich Aufwandsentschädigung, zuzüglich versteckter Provisionen durch die verkauften Produkte.
Ein unabhängiger Honorarberater einer Verbraucherzentrale prüft und rechnet. Die abgeschlossenen Verträge haben die liebe Zahnärztin schon einen vierstelligen Betrag gekostet, ohne dass sie davon Kenntnis hatte oder vor Vertragsabschluß über die Provisionen aufgeklärt wurde. Und dies alles lange bevor sie überhaupt einen Euro in eigener Praxis verdient hat. Salopp formuliert, ein halbes Jahr ihrer Assizeit hat sie für das Beraterhonorar gearbeitet. Das Entsetzen ist groß.

„Jetzt gilt es nur zu wissen, was tun, um einigermaßen mit wenig Verlust und Schaden jetzt und zukünftig rauszukommen.“

Kündigung – ja, sofort!

Wir betreiben Schadensbegrenzung und kündigen die Verträge. Einzig der BU-Vertrag bleibt und von den eingesparten unsinnigen Versicherungsprämien wird eine jederzeit verfügbare finanzielle Reserve für Notfälle angespart.

Und die Praxisübernahme?

Glücklicherweise ist es nach diesem schmerzhaften Erwachen reibungslos weitergegangen und die liebe Zahnärztin ist seit Januar in eigener freier Praxis tätig.

Meine persönlichen Tipps:

  • Bevor Sie nicht wissen, mit wem Sie Geschäfte tätigen, unterschreiben Sie nicht!
  • Bevor Sie nicht wissen, welche offenen/verdeckten Provisionen/Kick backs/Vertriebsfolgeprovisionen/Bestandsprovisionen/Ausgabennaufschläge etc. fließen, unterschreiben Sie nicht!
  • Bevor Sie die Verträge nicht von unabhängiger Stelle haben prüfen lassen, unterschreiben Sie nicht!

In diesem Beitrag geht es um: Heilberufler, Praxisgründung, Altersversorgung, Berufshaftpflicht, Rente bei Berufsunfähigkeit, Kapitalversicherungen, Rentenpolicen, Handelsvertreter, Finanzdienstleister, versteckte Provisionen

Fortsetzung folgt.

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Beitrag „Ich habe da was für Sie – Informationen zur Praxisfinanzierung

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