16. April 2017 Risikomgnt.

Burnout bei Zahnärzten

Gegen den Burnout - Urlaub am Srand machenBurnout – darüber spricht man nicht

Wie zufrieden sind Zahnärzte mit Ihrem Berufsalltag, was sind die größten Belastungsfaktoren? Ist es tatsächlich die eigentliche Arbeit am Patienten, der Umgang mit dem sogenannten schwierigen anspruchsvollen informierten Patienten, und/oder ist es der eigene Perfektionsanspruch, der den Praxisalltag belastet und auf die Lebensfreude einwirkt? Haben Zahnärzte ihre verschiedenen Rollen als Mediziner, Unternehmer, Chef im Griff und Probleme sind individuelle Schwierigkeiten Einzelner?

Fakt ist: die Belastung und der Zeitaufwand für die Praxisverwaltung steigt kontinuierlich, im Durchschnitt verbringt ein Praxisinhaber ca. 8- 12 Stunden in der Woche mit sonstigen Verwaltungsarbeiten. Wertvolle Lebenszeit, die viel sinnvoller für die Patientenbetreuung, für die Familie, Freizeit, Freunde und Regeneration eingesetzt werden könnte.

Die Umsetzung der Gesetze, Richtlinien und Vorschriften (BUS, QM, MPG u. v. a.) belasten den Praxisalltag organisatorisch und finanziell, führen schnell zu Frustrationen, dem Gefühl von Fremdbestimmung, Machtlosigkeit und der Überzeugung, den Umständen hilflos ausgeliefert zu sein.

Schöne heile Praxiswelt? Gibt es überhaupt das Problem der Überlastung oder ist es ein Tabuthema, über das Zahnärzte nicht offen sprechen? Der Blick hinter die Kulissen offenbart ein Bild, das mit den offiziellen Statements wenig gemein hat.

Burnout bei Zahnärzten

Die Zahlen liegen vor und sind alarmierend. 60.99% (N = 730) der Teilnehmer einer bundesweit durchgeführten Online-Befragung, die die Universität Witten – Herdecke in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für Psychologie und Psychosomatik in der Zahnheilkunde der DGZMK von Mai bis Dezember 2010 durchführte, bezeichneten die zahnärztliche „Berufsausübung“ als „überdurchschnittlich stressig“. Stressbedingte Symptome wie Antriebsmangel, Müdigkeit, Schlafstörungen und Ängste geben jeweils mehr als die Hälfte der Zahnmediziner an. 44% (N = 506) der Zahnärzte leiden nach eigenen Angaben an Depressionen, 13% (N = 148) hatten bereits Suizidgedanken.

Viele Befragte gaben an, den Stress mit Hilfe von Beruhigungstabletten, Schlaftabletten oder Alkohol zu begegnen. Die als am stärksten belastenden Faktoren finden sich in einer Rangskala, in abnehmender Reihenfolge:

  1. Misserfolge / Behandlungsfehler
  2. Eigener Perfektionismus / Qualitätsanspruch
  3. Verwaltungsaufgaben (BUS,QM, MPG)
  4. Staatliche Reglementierung
  5. Psychosomatiker
  6. Häufiges Arbeiten unter Zeitdruck
  7. Sehr viele Patienten am Tag
  8. Schmerzvolle Behandlung
  9. Gerichtliche Auseinandersetzungen
  10. Kritische, anspruchsvolle Patienten

Die Ergebnisse der Studie können aufgrund des Studiendesigns zwar nicht als repräsentativ angenommen werden, sie zeigen immerhin, dass unter deutschen Zahnärzten ein Anteil von 13.6% Burnout-betroffenen ist. Als Burnout-gefährdet konnte für die untersuchten Zahnmediziner ein Anteil von 31,9% ermittelt werden.

Besonders auffällig ist auf Platz 3 der Rangskala die Belastung durch die Fülle der Verwaltungstätigkeiten.

Eine aktuelle Studie der Apotheker- und Ärztebank (apoBank) zeigt ein ähnliches Bild:
65% der befragten Heilberufler sehen den größten Handlungsbedarf in der Verringerung des bürokratischen Aufwands im Berufsalltag. An zweiter Stelle mit 48% folgen staatliche Regulierungen und Budgetierungen bei der Patientenversorgung. Verwaltungsaufgaben und staatliche Reglementierungen sind immer mehr aufkochende Stressoren und sind vielleicht ein Hinweis darauf, dass nur 56% der befragten Zahnärzte mit ihrem Beruf zufrieden sind.

Wo können wir in unserem Praxisalltag ansetzen, um uns selbst zu entlasten? Wenn neben der wertschöpfenden Arbeit am Patienten (35 Stunden/Woche) mindestens 8- 12 Stunden für diese Verwaltungsaufgaben „geopfert“ werden, ist es dringend notwendig, eine Kurskorrektur vorzunehmen. „Für einen Großteil der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland hat die Arbeitsbelastung ein so hohes Ausmaß angenommen, dass sie sich negativ auf ihre Lebenszufriedenheit, ihren Lebensstil und weitere Komponenten ihrer Lebensqualität auswirkt.“

Schon während des Studiums und insbesondere in den ersten Jahren der Berufstätigkeit ist es wichtig, auf das eigene Wohlergehen aktiv zu achten, um potenziellen Beeinträchtigungen frühzeitig entgegenwirken zu können, beziehungsweise diese möglichst zu vermeiden.

Burnout bei Zahnärzten – Ergebnisse einer bundesweiten Onlinebefragung in Deutschland Article in Deutsche Zahnärztlliche Zeitschrift 67:317-326 – January 2012 (C. Wissel et al).

In diesem Beitrag geht es um: Zahnärztliche Stressoren, Burnout, Burnout-Prophylaxe, Praxisverwaltung, Lebensqualität

Lesen Sie demnächst: Burnout – was ist zu tun?

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Dann nehmen Sie bitte Kontakt mit mir auf oder schreiben einen Kommentar.

Vorschaubild - Andreas HeinzeUpdate 7. Oktober 2017: Absolut lesenswert!

Ich empfehle Ihnen, das Buch „Burnout und Stressmanagement bei Zahnärzten“ von Andreas Heinze zu diesem Thema zu lesen!

Das Buch im Onlineshop des Spitta Verlag

Das Inhaltsverzeichnis des Buches (PDF-Datei)

Das Vorwort zum Buch (PDF-Datei)


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